Mittwoch, 21. Dezember 2016

Buchrezension: "Arbeitsbuch für Schriftsteller" von Tanja Hanika

Autor: Tanja Hanika

Titel: Arbeitsbuch für Schriftsteller

Verlag: Selfpublisher

Form: Softcover

Seitenzahl: 74

Erscheinungsjahr: 26.04.2016

Ausgabe: 1. Auflage

Genre: Arbeitsbuch

Schlagwörter: Plotting, Autorenhilfe, Marketing

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Beschreibung auf Amazon

Das „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ ist selbst auszufüllen und umfasst alle wichtigen Phasen eines Romanprojekts, von der Figurenerstellung über die Plotstruktur bis hin zum Marketing. Durch Leitfäden, Checklisten und Planungsmodelle werden Sie beim Schreiben unterstützt. Darüber hinaus enthält es Definitionen und Informationsseiten wie beispielsweise zur Erzählperspektive, der Prämisse oder zum Exposé. Autorin Tanja Hanika entwickelte das „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ zur Unterstützung des Schreibprozesses auf der Grundlage ihres erfolgreichen Germanistikstudiums an der Universität Trier und anhand eigener, langjähriger Schreiberfahrungen. Planen auch Sie mühelos ihr nächstes Romanprojekt anhand vorgegebener Musterblätter.


Meinung:

Starten wir wie immer mit dem Cover. Es ist hübsch gestaltet und ein Hingucker. Ich mag es sehr. Nur dass ein Klappentext fehlt, hat mich ein wenig verwundert. Der gehört für mich zu jeder Art von Buch dazu.

Ein wenig überrascht hat mich nur das Format des Buches, denn es ist relativ breit und sieht daher fast quadratisch aus. Wie oft begegnet einem schon ein Buch in der Form? Außerdem ist es selbstverständlich sehr dünn. Das war anhand der Seitenzahl abzusehen. Der Einband fühlt sich weich, beinahe ein wenig gummiartig an. Ich berühre das Buch daher gerne, auch wenn man leider schnell Fettflecken und so was sieht. Mich stört das nicht besonders, es ist schließlich ein Arbeitsbuch, aber ich weiß, dass andere sehr viel Wert darauf legen und erwähne es daher.

Der Titel ist eindeutig gewählt, nicht wahr? Es ist klar, wozu das Buch dient. Wenn man möchte, kann man schon auf dieser Seite anfangen, das Arbeitsbuch zu personalisieren, indem man einen Projekttitel einträgt. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man sich für jedes Projekt diesen Titel als Planungs- und Veröffentlichungshilfe anschaffen möchte. Ich bin da eher pragmatisch und kopiere mir besonders nützliche Seiten vorher, um sie später noch verwenden zu können. Aber psssst! ;)

Hauptsächlich besteht der schmale Band aus Mindmaps, Tabellen, Steckbriefen und ähnlichen Seiten, die man selbst mit Inhalt füllt. Manchmal wird auch etwas erklärt, aber ich habe das Prinzip dahinter nicht so ganz durchschaut. Es gibt zum Beispiel eine ganze Seite, auf der Erzählperspektiven erklärt werden. Ich würde das nicht als unpraktisch bezeichnen, aber ich meine, das sogar schon in der Schule gelernt zu haben. Andererseits gibt es dann die Seite 30, welche den Titel "Protagonist vs. Antagonist (Stationen des Konflikts)" trägt. Auf dieser sieht man einen großen Blitz. Auf der einen Seite steht eine Liste mit Punkten von eins bis zehn, auf der anderen Seite steht jedoch nur 1. und dann 6.-10. Ich habe die Logik dahinter leider nicht so recht verstanden und es gab auch keine Erklärung dazu.
Natürlich ist mir bewusst, dass ich ein Arbeitsbuch vor mir habe und daher nicht alles haarklein erklärt wird. Man soll sich vorher informieren und es hier nur anwenden. Aber wenn es dann ab und an doch Erklärungen gibt und an anderen Stellen wiederum keine, finde ich das inkonsequent. Dass es für die Steckbriefe der Figuren keine Erklärung gibt, ist wiederum logisch. Denn wenn ein Steckbrief nicht selbsterklärend ist, hat er seinen Sinn verfehlt. Aber an anderer Stelle wäre eine Erläuterung durchaus nützlich gewesen.

Der Aufbau ist grob in gegliedert in

  1. Vorarbeit: Ausarbeitung der Grundidee
  2. Figurenentwicklung
  3. Plotentwicklung und Handlungsstruktur
  4. Nacharbeit (z.B. Korrekturcheckliste)
  5. Marketing.

An sich ist die Gliederung gut gemacht. Beim ersten Punkt war ich zeitweise etwas überfordert. Wenn man nur eine Grundidee hat, aber schon einen Klappentext schreiben soll, ist das etwas viel verlangt. Vielleicht stellt sich die Autorin unter einer Grundidee auch etwas anderes vor als ich. Für mich ist sie wirklich nur der allererste Funken. Ich weiß so gut wie gar nichts über die Geschichte, vielleicht eine Szene daraus. Mehr nicht. Wie soll ich anhand dessen einen Klappentext schreiben? Oder mir Coverentwürfe überlegen? Natürlich werden diese Punkte in der Nachbereitung nochmal aufgegriffen und dort genauer bearbeitet. Man muss es eigentlich nicht am Anfang machen, aber der Aufbau eines Arbeitsbuchs sollte schon so sein, dass man es nacheinander durchgehen könnte, nicht wahr?
Komisch fand ich auch, dass ich mir überlegen sollte, welche Genrekonventionen ich einhalten will oder nicht - und das bevor ich überhaupt Figuren oder einen Plot habe. Woher soll ich zu diesem Zeitpunkt wissen, wie ich mit dem Genre spielen will, wenn ich nicht mehr als die Grundidee habe? Abgesehen davon fällt es mir sowieso schwer, genretypische Dinge aufzuschreiben, um mir dann gezielt zu überlegen, wie und ob ich sie umsetzen möchte. Ich bin mehr der "Wenn die Geschichte das verlangt, mache ich das so."-Typ.

Womit wir dann auch schon bei einem wichtigen Punkt wären: Wie nützlich war mir das Buch? 
Leider musste ich während der Arbeit damit feststellen, dass mir eine kleinschrittige Plotstruktur nicht zusagt. Das habe ich vorher schon geahnt, aber da ich fast das ganze Jahr nicht geschrieben habe, weil mir meine Geschichte zu unausgereift vom Plot her vorkam, dachte ich, ich müsste mal so etwas zu Rate ziehen. Möglicherweise stammte meine Angst vor der Geschichte ja einfach daher, dass ich zu wenig plottete. Wobei ich dennoch weit mehr plotte als ein Discovery Writer und daher wohl so in der Mitte des Spektrums zu verorten bin. ;)
Aber zurück zum Thema: Als ich das Buch bekam, wollte ich mich als knallharter Plotter versuchen. Es klappte nicht. An manchen Stellen gab es sehr viel Platz zum Schreiben, an anderen zu wenig. Dann immer die Frage: Füllt man als guter Plotter jede Seite aus oder nicht? Ist das wichtig oder nicht? So gesehen waren die ersten Teile des Buches eine Herausforderung, die mich viel über meine Art des Plottens gelehrt haben. Aber ob das der Geschichte geholfen hat? Ich weiß es nicht. Tatsächlich denke ich eher, dass sie nun für mich gestorben ist, weil ich sie zu genau kenne und mich beim Schreiben langweilen würde. Auch wenn ich sie zweifellos schneller herunterschreiben könnte. ;)
Macht das den Titel für mich zu einem misslungenen Buch? Nein. Denn dass ich ein anderer Schreibtyp bin als der, den man für so ein Arbeitsbuch braucht, ist weder der Autorin noch ihrem Werk anzukreiden. Auch als Zeitverschwendung würde ich die Arbeit damit nicht betrachten. denn ich habe einiges über mich gelernt. Das wird mir bei anderen Geschichten helfen. Außerdem haben mir besonders die Nacharbeit und der Marketing-Abschnitt gefallen. Die Checklisten und Tipps dort waren hilfreich. Natürlich konnte ich diese Seiten bisher nicht wirklich ausfüllen, weil ich die Geschichte nur geplottet und noch nicht geschrieben habe. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass zum Beispiel die "Korrekturliste für folgende Korrekturdurchgänge" später sehr nützlich sein könnte. Und das nicht nur bei dem geplotteten Projekt, sondern allen kommenden! Auch die Exposé-Checkliste habe ich mir in weiser Voraussicht schon mal kopiert. So ist also auch für jemanden, der nicht viel plottet, etwas Neues, Interessantes und Praktisches dabei.

Fazit:

4* 
Auch wenn ich während der Arbeit mit dem Heft festgestellt habe, dass so engschrittiges Plotten nichts für mich ist, ist es doch gut strukturiert und besitzt viele nützliche, übersichtlich gestaltete Seiten. Nur dass an manchen Stellen Erklärungen fehlten oder manche Themen sehr früh behandelt wurden, störte mich ein wenig. Aber man kann zum Glück auch Seiten überblättern oder zu einem anderen Zeitpunkt ausfüllen. Niemand kontrolliert deine Arbeit mit dem Buch! ;) Besonders den hinteren Bereich werden viele Autoren als hilfreich empfinden, denke ich. Daher bekommt dieser Titel so viele Sterne von mir. Denn es ist weder die Schuld der Autorin noch die des Buches, dass ich keine Hardcore-Plotterin bin. Ich bin davon überzeugt, dass das Arbeitsbuch für diesen Autorentyp zu empfehlen ist, sofern die betroffenen Personen noch keine eigene Routine in den im Buch behandelten Bereichen besitzen.


Vielen Dank, liebe Tanja Hanika, für dieses Rezensionsexemplar und deine Geduld! 


Kennst du das Arbeitsbuch? Hast du es schon ausprobiert? Wie sind deine Erfahrungen damit? Wenn du es nicht kennst: Würdest du es dir kaufen oder nicht? 

Kommentare:

Myna Kaltschnee hat gesagt…

Huhu liebe Lisa,

ich habe das Buch auch bekommen und war total begeistert davon. Da ich ja schon ziemlich detailliert plane, war es genau richtig für mich. Bisher habe ich mich aber noch nicht getraut, da reinzuschreiben. Ich werde mir die Vorlagen wohl auch rauskopieren.

Liebste Grüße
Mimi

LiehsaH hat gesagt…

Liebste Mimi,

vielen Dank für deinen Kommentar! :*
Ich bin auch ziemlich begeistert von dem Buch, obwohl es für mich nicht die beste Arbeitsgrundlage ist. :) Aber dass es dir als Plotterin gefällt, bestätigt meinen Eindruck von dem Werk. Das ist toll. <3
Selbstverständlich freue ich mich auch für dich, denn es ist nicht leicht, die richtigen Arbeitsmaterialien für sich zu finden. Geht mir zumindest so. :D Es wird viel angeboten, aber letzten Endes muss ich mir doch selbst etwas zusammenstellen, wenn es funktionieren soll. ^-^"
Kopieren ist super! ;) Hat bei mir einwandfrei geklappt. Nur bei den Seiten, wo Teile grau unterlegt sind, lief es nicht so super.

Liebe Grüße
Lisa <3