Mittwoch, 2. November 2016

Buchrezension: "Beziehungshandbuch für Geschiedene" von L.A. Witt

Autor: L.A. Witt
Titel: Beziehungshandbuch für Geschiedene

Originaltitel: Rules of Engagement

Übersetzung: Nigel Spokes
Verlag: Cursed
Format: eBook (Auch als Taschenbuch verfügbar!)
Seitenzahl: 320

Erscheinungstermin: 13.05.2016
Altersempfehlung: ab 16 Jahren (von mir so eingeschätzt)

Genre: Alltag; Gay Romance

Schlagwörter: Coming Out, Bisexualität, Billard
Leseprobe: *klick*


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Klappentext:

Dustin Walker ist frisch geschieden und hat die Nase voll von der Liebe. Ginge es nach seiner Familie, würde er gleich nach der nächsten Mrs. Walker Ausschau halten, doch Dustin verbringt seine Zeit lieber in einer Bar mit Pool spielen. So trifft er auf Brandon Stewart, zu dem er sich von der ersten Sekunde an hingezogen fühlt – obwohl Brandon ein Mann ist. Heimlich lässt sich Dustin auf ein sexuelles Abenteuer mit ihm ein, aus dem schnell mehr wird. Und plötzlich muss er sich entscheiden: Soll er sich vor seiner homophoben Familie outen oder dem Mann den Rücken kehren, der sein Herz im Sturm erobert hat? 


Erster Satz:

Die Barkeeperin beugte sich hinunter, um eine Flasche Bud Light aus dem Kühlschrank unter der Bar zu nehmen, wobei ihr T-Shirt nach vorne fiel und den Blick auf ihr üppiges Dekolleté freigab.

Meinung:

Das Cover ist hübsch gestaltet. Kein halbnackter Typ oder irgendwelche anderen klischeehaften Gay-Romance-Merkmale. Das gefällt mir! Auch die Farben und die Stimmung, die das Bild vermittelt, sagen mir zu.

Der Titel klingt interessant, passt aber nicht wirklich zur Geschichte. Unter einem "Beziehungshandbuch" würde ich mir was anderes vorstellen. Nicht zwangsläufig einen Ratgeber, aber zumindest eine Geschichte, die tatsächlich in der Hinsicht hilfreich ist. Für Dustins Geschichte ist er aber leider nicht optimal und weckt falsche Erwartungen. Allein schon wenn man den Titel liest und danach den Klappentext... Irritiert das niemanden außer mir?

Erzählt wird aus Dustins Ich-Perspektive. Besonders markant ist sie leider nicht, aber da ich grundsätzlich nichts gegen die Perspektive einzuwenden habe, stört sie mich auch nicht besonders. Dennoch ist es hier wie mit dem Schreibstil: Austauschbar, kein hoher Wiedererkennungswert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es mittlerweile einen akzeptablen 0815-Schreibstil gibt, den jeder nutzt. Schon ein wenig langweilig. Man liest die Bücher nur noch wegen des Inhalts, da sie sonst nichts Besonderes mehr zu bieten haben. Darum lege ich darauf auch so viel Wert.

Damit wären wir dann auch schon beim Kernproblem des Romans: der Handlung. Keine Panik, sie ist nicht grottenschlecht. Eher durchschnittlich wie der Schreibstil. Doch wie so oft habe ich einfach mehr erwartet. Ich habe sogar die Leseprobe vor dem Buchkauf gelesen - und war ziemlich angetan davon. Leider wurde die Geschichte aber auch schon nach dem Leseprobenteil sehr viel langweiliger. Sex über alles! Ich gebe zu, dass es am Anfang noch nachvollziehbar ist. Dustin und Brandon finden sich heiß. Besonders für Dustin ist das was Besonderes und er ist neugierig. Aber danach geht es immer so weiter - und plötzlich lieben sie sich abgöttisch. Ach ja? Wegen was? "Der Sex ist so geil, dass ich dich nie mehr verlasse, Baby." Oder wie will man sich das logisch erklären? Für mich ist guter Sex auf jeden Fall nicht ausschlaggebend dafür, dass ich mich in jemanden verliebe und diese Person sogar zu lieben lerne. Übrigens noch eine Sache, die mich nervt: Die Leute sind nicht nur verliebt oder schwärmen für jemanden, nein, sie lieben sie sofort bis an ihr Lebensende und darüber hinaus. Twilight-Style. Tut mir leid, aber dafür kann ich mich momentan nicht begeistern, Selbstverständlich geht es auch um ein anderes Problem, das im Klappentext angesprochen wird: Das Outing. Eine unangenehme Angelegenheit, bei der Frauen mal wieder nicht besonders gut wegkommen. (Zwischenfrage: Vielleicht sollte ich mal was über diese Gay-Romance-Klischees schreiben?)

Dustin ist eigentlich ein netter Kerl, tut sich aber schwer mit Entscheidungen. Er ist es gewohnt, von Frauen herumgeschubst zu werden. Im Laufe der Geschichte befreit er sich ein wenig von den äußeren Einflüssen, die ihn vorher so gefesselt haben. Wenn er sich nicht zwischendurch so unreif verhalten hätte, hätte ich ihn sehr gemocht.
Brandon ist fast zu gut, um wahr zu sein. Total geduldig und locker. Zumindest bis ihm der Kragen platzt. Natürlich sieht er auch total gut aus und liebt Sex über alles. (Bitte entschuldige die Ironie, ich kann heute einfach nicht anders...) 
Von den Nebencharakteren sind besonders Dustins Mutter und seine Exfrau auffällig. Dustins Mutter ist keine sympathische Frau. Das gilt auch für die Exfrau, nur tritt die den Großteil der Geschichte über eher als Schatten aus der Vergangenheit auf und nicht in Person. Natürlich gibt es noch Helferfiguren wie Dustins beste Freundin oder irgendeine Frau, die Dustin aufreißt, um sich über seine Sexualität klar zu werden... Tut mir leid, falls das jemanden spoilert. Andererseits: Das ist mittlerweile so ein verbreiteter Plotpunkt, dass es niemanden mehr überrascht, oder?

Fazit:

3*
Ja, ich habe ziemlich über den Roman gemeckert. Trotzdem weißt er handwerklich keine Fehler auf, die ich ihm ankreiden könnte. Über die Handlung und die Verwendung von Klischees lässt sich leider immer streiten. Daher bleibe ich fair und gebe dem Buch drei Sterne. Denn auch wenn es nicht herausragend gut ist, hat es mich doch für eine gewisse Zeit unterhalten können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es einige Leute gibt, deren Geschmack vom Beziehungshandbuch genau getroffen wird.


Kennst du den Roman? Was hältst du von Klischees in Gay-Romance-Geschichten? Sollte ich darüber schreiben? 

Kommentare:

Jens van der Kreet hat gesagt…

Das hört sich ja total euphorisch an. Bei dieser Rezi wundert es mich, dass du gleich drei Sterne raushaust! Macht irgendwie keine Lust, sowas dann zu lesen. 08/15-Bücher gibt es schließlich wie Sand am Meer.
LG Jens

LiehsaH hat gesagt…

Lieber Jens,

tja, bei einem durchschnittlichen Buch kann ich schlecht euphorisch sein, oder? :D

"Gleich drei Sterne"? Sterne sind wie Schulnoten, nur eben von 1 bis 5, weil die meisten Portale keine 0 Sterne zulassen. (Zumindest war das damals so, als ich angefangen habe...) Also gibt es die bei mir auch nicht. :D So gesehen ist die 3 die Mitte, also der perfekte Platz für einen durchschnittlichen Roman. 4 Sterne wären im Schulnotensystem eine 2, also etwas besser als der Durchschnitt, aber nicht überragend. 5 Sterne sind klar. 2 Sterne gibt es für alles Unterdurchschnittliche. Nur Bücher, die ich abgebrochen habe, erhalten 1 Stern. Dann müssen sie aber auch wirklich schlecht gewesen sein. :D Ich überlege, eine Seite für die Ein-Stern-Kandidaten zu machen, weil ich bezweifle, dass ich sie anständig rezensieren könnte. Ich habe ja einen gewissen Mindeststandard und den kann ich bei diesen Werken wahrscheinlich nicht einhalten. Entweder weil ich total spoilern müsste oder weil ich Verrisse schreiben würde...
Was soll ich sagen? Ich versuche, die Bücher fair zu bewerten und nicht nur über die reine Gefühlsschiene. Keine Ahnung, ob das funktioniert, aber ich gebe mir Mühe. :D Meinst du, ich sollte öffentlich nochmal das Bewertungssystem erklären?

Ja, du hast recht, 0815-Bücher gibt es wie Sand am Meer. Deswegen findest du hier auch viele Drei- oder Vier-Sterne-Rezensionen. Ist eben die "Mitte". 5 Sterne vergebe ich selten. Und wenn das Buch wirklich überragend gut ist oder ich es häufig nochmal lese, kriegt es noch den Vermerk "All-time favourite". ;)

Liebe Grüße
Lisa