Sonntag, 31. Januar 2016

#WriYoBo-Update für Januar: Wie ich plotte oder Ich bin eine Versagerin!

Der erste von zwölf Monaten des WriYoBo ist gelaufen. Der erste von zwölf, halte dir das mal vor Augen! Ein Zwölftel ist um! Nicht nur vom WriYoBo, sondern vom Jahr 2016 auch! Die Zeit rennt mal wieder...


Mein Fortschritt


... ist quasi nicht vorhanden. Das Ziel waren 15.000 Worte. Warum? Nach dem gelungenen NaNo im letzten Jahr dachte ich, dass das kein Problem sein sollte. Schließlich habe ich im November 50.000 geschafft, da sind 15.000 ja nichts! Und überhaupt: Ich müsste nur 500 Wörter pro Tag schreiben, um mein Ziel zu erreichen. 500! Das ist pillepalle! Das schaffe ich in einer halben Stunde!

Jaha. Man sollte lieber nicht zu übermütig werden. Was mir das Genick gebrochen hat?



Keine meiner Ideen war fertig geplottet. Ich wollte gerne an der Assassinen- und/oder der Dämonenbeschwörer-Geschichte schreiben. Die hatte ich schon während des NaNo erwähnt. Leider habe ich damals nicht geplottet, weil ich noch genug mit FFAT zu tun hatte. Im Dezember wollte ich nicht schreiben und hatte genug mit meinem Sozialleben zu tun. Als dann Ende Dezember der recht spontane Entschluss getroffen wurde, dass ich mich an den WriYoBo wage, war also nichts schreibbar. So. Toll gemacht, Lisa, echt!
Zu dem Zeitpunkt war ich aber noch total motiviert und dachte, nach einer Woche Projektplanung wäre ich so weit. Genau. Ich habe leider keine Werte für FFAT gesammelt, aber die Geschichte habe ich Ewigkeiten mit mir herumgeschleppt. Es war kein Problem, sie herunterzuschreiben, weil ich wirklich genau wusste, was passieren sollte. Natürlich gab es Überraschungen, die behalte ich mir immer vor. Aber abgesehen von meinem Schweinehund hat mich nichts daran gehindert, die Story zu schreiben.
Tja, wenn man aber nichts vorbereitet hat, was man schreiben kann, sieht es anders aus. Schlecht, sehr schlecht! Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich einen Nachmittag hinsetzen und Charakterbögen ausfüllen. Dadurch entsteht für mich kein Charakter, keine Figur, kein Wesen, das ich als realistisch ansehen würde. Ich muss mich mit denen geistig auseinander setzen. Das heißt, ich führe Gespräche mit ihnen. Das lieeebe ich! Aber es kostet Zeit. Nicht jeder Charakter ist gesprächig und selbst wenn sie es grundsätzlich doch sind, erzählen sie einem nicht unbedingt das, was man bräuchte, um den Plot zu gestalten. Charakterbögen sind dennoch praktisch, das möchte ich nicht bestreiten! Aber eben nur, um bereits bekannte Fakten festzuhalten, nicht um sie zu entwickeln.
Daraus ergibt sich leider: Ohne Charaktere keinen Plot! Meine Plots sind eher an den Charakteren orientiert, weil Menschen mich mehr interessieren. Also habe ich eine kleine Punkerin, die sich hinter ihrem forschen Auftreten versteckt, aber was die Geschichte ausmachen soll, weiß ich nicht. Dann beginnen die "Was-wäre-wenn"-Spiele. Sie machen mir auch sehr viel Spaß. Das Manko auch hier: Sie kosten Zeit. Schließlich will ich nicht das erstbeste, ausgelutschte Gedankenspiel nehmen, sondern was Besonderes. Ich will keinen Abklatsch von irgendwas schreiben! Aber um was Kreatives zu entwickeln, braucht es Zeit. 

Nachdem ich mich jetzt über mein Zeitproblem ausgelassen habe, muss ich aber auch noch andere Faktoren ansprechen. Die Arbeit zum Beispiel. Als ich entschieden habe, dass der WriYoBo kein Problem für mich darstellen sollte, hatte ich Urlaub. Also massig Zeit und Motivation. Sobald die Arbeit wieder anfing, war die Luft raus. Nicht nur aufs Schreiben bezogen! Dadurch, dass mir plötzlich wieder ein erheblicher Teil meiner Zeit fehlte, fiel ich in ein Loch. Ich fühlte mich gestresst und zeitlos. Ständig war der Tag rum, bevor ich was geschafft hatte. Meine eigene Unzufriedenheit hat mich fertig gemacht. Alles kam mir so sinnlos vor. Ich wollte so dringend das machen, worauf ich Lust hatte! Dazu kamen dann noch zahlreiche Tweets von Selbstständigen oder Studenten, die ihre Tage größtenteils frei gestalten können. Wenn man dann auf der Arbeit sitzt und sich vor Augen führt, wie viel die alle schaffen können, weil sie nicht acht Stunden auf der Arbeit rumgammeln und noch zwei Stunden Fahrtzeit einrechnen müssen, ist das sehr frustrierend. Besonders, wenn in der Abteilung, wo man gerade ist, nichts zu tun ist und man die Zeit mit sinnlosem Kram vergeuden muss.
Wie schlecht es mir tatsächlich ging, lässt sich wohl damit bestätigen, dass ich nur eine Kurzgeschichtensammlung und eine Kurzgeschichte gelesen habe. Im ganzen Monat! Zu beidem stehen auch noch Rezensionen aus. Dass dieser Blog dennoch regelmäßig gefüttert wurde, lag nur an dem Puffer, den ich mir mal zugelegt hatte. Der war letzte Woche aufgebraucht, weswegen es diese Woche leider keine Mittwochsrezension gab. Ich habe also weder geschrieben noch gelesen oder gebastelt. Man könnte sagen, dass ich mich zu nichts Produktivem durchringen konnte. Stattdessen habe ich Serien geguckt oder irgendwas anderes Passives gemacht. Dinge, bei denen man nicht wirklich denken muss, die einen nicht fordern und die im besten Fall nicht mal mit sozialen Kontakten zu tun haben. Deswegen war es auch auf Twitter zwischendurch immer mal wieder still von meiner Seite aus.
Abgesehen davon hat mich der Jahresabschluss ausgelaugt. Der November war wegen des NaNos hart. Er hat mir auch Spaß gemacht, aber ich habe vieles entbehren müssen und war ganz froh, als diese Zeit vorbei war. Dafür bin ich im Weihnachtsstress gelandet. Jedes Wochenende war vollgestopft mit familiären oder freundschaftlichen Pflichten. Ich war so froh, als Weihnachten vorbei war und ich ein paar Tage frei hatte. Die mein Freund gerne mit mir verbringen wollte, nachdem er während des NaNo und wegen Weihnachten zurückstecken musste. Also war auch mein Urlaub nicht so erholsam, wie man meinen könnte. Tatsächlich habe ich erst in den letzten beiden von elf freien Tagen meine Motivation wiedergefunden. Nur um sie mit Arbeitsantritt wieder zu verlieren. 

Ich hatte also keinen Plot und psychischen Stress wegen Zeitmangel und dem Gefühl zu ersticken. Meine ständigen Nullrunden demotivierten mich zusätzlich. Ich fühlte mich wie die letzte Versagerin, weil die meisten Teilnehmer des WriYoBo hochmotiviert eingestiegen sind. Viele haben ihr Monatsziel sehr beeindruckend überschritten. Ich freue mich für alle von ihnen, keine Frage. Aber mein Gefühl des Versagens hat es nur verstärkt. Zusätzlich habe ich keine einzige Minute FFAT überarbeitet, weil ich die ganze Zeit den Druck hatte, was für den WriYoBo schreiben zu wollen bzw. müssen. Ich habe sogar daran gezweifelt, ob ich überhaupt zur Autorin tauge. Es heißt ja immer: "Autoren schreiben in jeder freien Minute." Das war noch nie meins. Ich schreibe gerne, aber noch mehr gefällt mir der Prozess des Geschichtenausdenkens und -entwickelns. Außerdem habe ich noch andere Hobbys! Wenn ich die Geschichten in meinem Kopf nicht so gerne mit anderen teilen wollte, hätte ich auch kein Problem damit, sie niemals aufzuschreiben. Sie könnten auch für immer in mir und meine Babys bleiben, ohne von jemandem gesehen zu werden. Manchmal denke ich, das wäre der bessere Weg für mich. Ich könnte auch was anderes schreiben. Meinen Blog hier zum Beispiel. Rezensionen & Co. zählen nicht als kreatives Schreiben. Außerdem liebäugle ich seit einem halben Jahr mit der Idee, einen politischen Blog aufzuziehen, für den ich aber keine Zeit habe. Ich könnte also einfach den Fokus meines Schreibens ändern. Aber ich liebe meine kreativen Ideen! Also behalte ich sie und formuliere sie aus. In meinem Tempo. 

Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis des Monats: Ich besitze eine Autorenseele. Ganz egal, was andere meinen, welche Eigenschaften eine Autorin haben sollte. Ganz egal, wie viel ich im Monat schreibe. Ganz egal, ob ich ewig brauche, bis eine Geschichte so weit gereift ist, um erzählt zu werden.
Momentan werde ich nicht veröffentlicht, es gibt keinen Zeitdruck. Nur den, den ich mir selbst mache. Also schraube ich ihn runter. So etwas tut mir auf Dauer nicht gut. Ich nähere mich langsam, aber stetig meinem Ziel. Das muss reichen.

Hier nochmal der Beweis meiner Niederlage:

Die Sterne markieren die Schreibtage für einen leichteren Überblick. Siehst du mein Versagen genau so deutlich wie ich?


Was sagst du zu meinem missratenen Januar? Wie lief deiner? 

Kommentare:

Myna Kaltschnee hat gesagt…

Hallo Lisa,

also gleich mal vorne weg: Du bist keine Versagerin! Mach dich doch nicht selbst so runter, nur weil du dein Schreibziel nicht erreicht hast. Es ist völlig verständlich, dass man, wenn man nebenher noch arbeiten gehen muss, nicht so viel Zeit und Motivation zum Schreiben hat. Das geht vielen anderen genauso. Mein Januar war auch nicht sonderlich erfolgreich. Ich habe zwar meine 10.000 Wörter überrundet, die ich mir vorgenommen hatte, aber dafür beide Projekte auf Eis gelegt, an denen ich geschrieben hatte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich hätte viel mehr schreiben können, weil ich die meiste Zeit zuhause war.

Wenn du innerlich den Wunsch spürst, eine Autorin sein zu wollen, dann bist du auch eine Autorin. Ich schreibe, wie gesagt, auch nicht in jeder freien Minute. Ganz im Gegenteil, davon bin ich weit entfernt.

Also fühl dich mal ganz doll gedrückt und atme mal tief durch. Der Februar wird bestimmt wieder besser. :-)

Ganz liebe Grüße
Myna

LiehsaH hat gesagt…

Liebe Myna,

danke für deinen aufbauenden Kommentar! <3

Ich schätze, es sind einfach viele Faktoren im Januar zusammengekommen... Normalerweise bin ich auch nicht so pessimistisch, aber manchmal überkommt es mich. ^-^" Zum Glück fühle ich mich mittlerweile viel besser. Ich hätte diesen Post auch nicht veröffentlicht, wenn ich nicht schon halbwegs aus dem Tief raus gewesen wäre. ;) Dafür ist es dann doch zu persönlich...

Du wirst bestimmt andere tolle Projekte finden! Und irgendwann schreibst du dann die beiden abgebrochenen zu Ende, weil du endlich weißt, auf was sie hinauslaufen sollten! ;) *Daumen drück*

Oh, der Satz ist ja toll: "Wenn du innerlich den Wunsch spürst, eine Autorin sein zu wollen, dann bist du auch eine Autorin." Den sollte ich mir einrahmen und aufhängen! <3

Herzliche Grüße
Lisa :)