Mittwoch, 2. Dezember 2015

Buchrezension: „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner

Autor: Lilly Lindner
Titel: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
Verlag: Fischer
Format: Taschenbuch (Auch als E-Book erhältlich!)
Seitenzahl: 400

Erscheinungsjahr: 2015
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Leseprobe: *klick*



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Klappentext:

April bedeutet das Ende des Winters. Lebensfreudige Hoffnung, Seelenwärme. Für Phoebe ist April jedoch viel mehr als nur ein Monat: Es ist der Name von ihrer großen Schwester, dem Zentrum ihrer kleinen Welt. Doch nun ist April fort. Weggesperrt in eine Klinik und soll dort gesund werden, denn sie isst nicht mehr.
Warum? Wann wird sie endlich wieder nach Hause kommen? Phoebe hat tausend Fragen. Aber ihre Eltern schweigen hilflos. Und so hat Phoebe keine Möglichkeit zu begreifen, was ihrer großen Schwester fehlt. Doch sie versteht, wie unendlich traurig April ist. Und um dem Schweigen eine Stimme zu geben, schreibt Phoebe ihrer Schwester Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein und entgegen der Leere, die April hinterlassen hat.



Erster Satz:

Liebe April,
du bist jetzt schon fast eine Woche weg, und ohne dich ist es schrecklich langweilig hier.

Meinung:

Das Cover ist ganz zauberhaft! Hellblau und weiß finde ich als Kombination sehr schön, zart und angenehm. Unschuldig. Dazu diese Federn... Es weckt eine Assoziation mit dem Himmel. Wenn man sich den Klappentext dazu anschaut, könnte das aber übel enden.

Der Titel gefällt mir auch sehr! Zuerst war ich skeptisch. Was soll man sich denn darunter vorstellen? Vor allem wenn es ein Briefroman ist. Darf ich dir ein Geheimnis verraten? Der Satz „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ kommt in einem der Briefe vor. Das mag ich. Außerdem „verschwindet“ April und hinterlässt dadurch ein Loch in Phoebes Leben – einmal durch ihre Magersucht, aber auch durch ihre Einweisung in die Klinik. Gleichzeitig hat auch Phoebe Angst, ihr Ich zu verlieren.

Die Geschichte ist herzergreifend! Ich hätte am liebsten schon nach zwei Seiten geheult. Leider saß ich im Zug und wollte mir da die Blöße nicht geben. Trotzdem habe ich durchweg mit den Tränen zu kämpfen gehabt. Warum?
Es geht um die Schwestern Phoebe und April. Phoebe schreibt ihrer großen Schwester Briefe, während diese in einer Klinik gegen ihre Magersucht kämpft. Phoebe ist noch jung, erst neun Jahre alt; dementsprechend sind ihre Briefe manchmal ein wenig verständnislos und drängend, aber gleichzeitig voller Liebe und Hoffnung. Sie erzählt aus ihrem Leben und wie sich ihre Eltern verändert haben, wie sehr sie ihre Schwester liebt und vermisst und wie sie sich fühlt. Etwa die erste Hälfte des Romans besteht einzig aus Phoebes Briefen – die Antwortbriefe folgen im Anschluss, sind aber nicht weniger berührend. Beide Schwestern haben eine Vorliebe für Wörter und kompliziertes Denken. Sie sind hochbegabt. Deswegen sind Phoebes Briefe manchmal viel tiefsinniger und weiser als man es von einer Grundschülerin erwarten würde.

Ach, April. Ich vermisse dich so sehr. Und bis du wieder gesund bist, nehme ich all deine Worte und sage sie für dich. Nur wenn du magst natürlich. Jedenfalls sind sie bei mir gut aufgehoben. (Buch, S. 27)

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten unterscheiden sich die Schicksale der Schwestern. Phoebe ist fröhlich, laut und aufgeweckt. Sie lässt sich nicht den Mund verbieten und wird von den Eltern geliebt.
April hingegen wurde immer für ihre Fragen zurechtgewiesen und ist auch als magersüchtige Sechzehnjährige das schwarze Schaf der Familie.
Die Eltern kann ich einerseits verstehen, da es bestimmt nicht leicht ist, mit zwei hochbegabten Mädchen gesegnet zu sein. Natürlich machen sie da besonders bei der älteren Schwester viele Fehler. Was ich aber nicht verzeihen kann: Selbst als April offensichtlich magersüchtig ist, ändert sich an dem Verhalten der Eltern nicht viel. Dafür lieben sie Phoebe sehr und geben sich viel Mühe mit ihr. Das ist einfach sehr traurig!
Doch auch die Gefühle von „Außenseitern“, also keinen Familienangehörigen, werden eingebunden. Ganz nebenbei erzählt Phoebe z. B. von Aprils bester Freundin, deren Freund, Aprils Verehrern, Lehrern, ihren Freunden... Alle sind durch die Ereignisse sehr mitgenommen. Zum Glück hat Phoebe trotz ihres jungen Alters schon ganz hervorragende Freunde gefunden, auf die man neidisch sein könnte.

Mich berührt diese Geschichte nicht nur so sehr, weil sie gut geschrieben wurde. Es gibt viele Wortspiele und kluge Gedanken. Ich habe mir zig Stellen markiert! So viele, dass ich mich nicht entscheiden konnte, welche ich wie sonst hier einfügen sollte. ^-^" Deswegen gibt es hier keine. Gerade wegen des außergewöhnlichen Schreibstils könnten andere Leute das Buch ablehnen. Ich finde es gut, wenn ich etwas Neues finde. Wenn es mir dann auch noch gefällt: Perfekt! Aber hier sollte man wirklich keinen 0815-Kram erwarten. Wie die Geschichte und die Charaktere selbst, ist auch der Stil besonders. So gehört sich das schließlich auch!
Hauptsächlich fühle ich mich aber an meine eigenen Schwestern erinnert. Ich behaupte nicht, dass eine von uns hochbegabt wäre, aber das ist auch nicht das Entscheidende. Das, was die Geschichte vermittelt, ist die grenzenlose Liebe zwischen Geschwistern. Meine Schwestern und ich haben auch schwere Zeiten durchlebt und uns nicht immer gegenseitig geschätzt. Dieses Buch hat all die in mir vergrabenen liebevollen Gefühle für sie wieder an die Oberfläche geholt. Deswegen habe ich ein Projekt geplant, das ich in einem der nächsten Posts vorstellen werde.


Fazit:

5*

Dieses Buch ist der Wahnsinn! Halte auf jeden Fall Taschentücher bereit und lass' dich von der Tiefsinnigkeit und Herzlichkeit des Textes fesseln. Hochbegabung, Magersucht, unzählige Weisheiten und Denkanstöße... „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ ist keine lockerleichte Lektüre für Zwischendurch. Dafür bekommt man einen herzerwärmenden Roman über Liebe, Hoffnung und das Leben aus der Sicht von Kindern.

ALL-TIME-FAVOURITE!



Hast du diesen Roman gelesen? Oder meidest du nervenaufreibende Themen lieber?
Und wie gefällt dir das Coverbild? Sollte ich das weiterhin so machen oder lieber wieder auf die anderen Bilder zurückgreifen?

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