Mittwoch, 4. November 2015

Happy Birthday oder Warum ich Glückwünschen skeptisch gegenüberstehe

Falls du es noch nicht wusstest: Heute ist mein Geburtstag! Yeah, ein Grund zum Feiern! Aber eine Sache stört mich doch ganz gewaltig: das Gratulieren.

Kaum hat man Geburtstag kommen all die Leute angekrochen, mit denen man sonst nie zu tun hat und gratulieren einem. Das ist nett, klar, und den allgemeinen Höflichkeitsregeln entspricht es auch. Aber es ist genauso sinnlos wie das Händeschütteln zur Begrüßung.

Schlimmes

Händeschütteln kann ich nicht leiden. Warum soll ich wildfremde Menschen anfassen? Und dann immer diese Unsicherheit: Wie doll darf man drücken? Scheiße, was mache ich, wenn ich nur die linke Hand frei habe?
Dazu kommen noch die unterschwelligen Signale. Irgendwer meint, seine Dominanz durch einen brutalen Händedruck ausüben zu müssen. Ordne ich mich ihm deswegen unter? Nein. Ich bin höchstens genervt und finde ihn zutiefst unsympathisch. Außerdem sorge ich mich um meine Hand, denn die brauche ich noch zum Schreiben. Ganz schlimm ist es, wenn die Leute mit beiden Händen zupacken. Auch wieder so eine unterdrückte Botschaft.
Abgesehen davon ist es einfach unhygienisch. Weißt du, was die andere Person schon alles angefasst hat? Ob sie sich nach dem Toilettengang brav die Hände gewaschen hat? Nein. Die Krankheitsgefahr steigt nicht unerheblich durch eine kleine, unangenehme Berührung.

Zum Glück passt das Händeschütteln auch zum Gratulieren, denn die meisten Leute denken, das gehöre zusammen. Tut es nicht!

Schlimmeres

Aber noch schlimmer ist es, wenn sie einen umarmen wollen. UMARMEN! Das ist speziellen Leuten vorbehalten! Ich denke, die Leute, die das dürfen, wissen das auch. Aber die anderen? Was denken die sich denn, wer sie sind? Ich habe damals diesen Quatsch mit dem Alle-zur-Begrüßung-Umarmen schon nicht verstanden, aber jemanden an seinem Ehrentag zu überfallen, ist schon ziemlich dreist. Hier kann man nicht mal sagen, dass es aus Höflichkeit passiert.

Das allerschlimmste!

Der Gratulationssatz. Dabei ist es völlig egal, ob "Herzlichen Glückwunsch", "Happy Birthday" oder "Alles Gute" gesagt wird. Das Problem besteht gar nicht in dem Satz an sich. Das kann ein sehr schöner Satz sein! Aber auch hier gilt: Die Person, die ihn sagt, ist entscheidend. Wenn die Leute das ganze Jahr über keine zwei Worte mit mir wechseln, aber mir zum Geburtstag gratulieren, was sagt mir das? Nichts. Ich bin ihnen das restliche Jahr über egal. Würde ich sterben, wäre das belanglos für sie. Aber an dem einzigen Tag im Jahr, wo ich der Mittelpunkt meiner kleinen Welt bin, da erinnern sie sich an mich. Was soll das denn?
Wenn man jemandem zum Geburtstag gratuliert, bedeutet das für mich folgendes: "Ich bin froh, dass es dich gibt. Du bereicherst mein Leben." Das ist ein sehr schöner, berührender Gedanke. Darin steckt Gefühl! Einer Person, der ich egal bin, kann ich das nicht abnehmen. Ich will das auch nicht hinnehmen! Es macht mir überhaupt nichts aus, wenn mich jemand nicht beglückwünscht. Das ist okay. Es ist wenigstens ehrlich und authentisch. Ich schätze diese Person dadurch nicht weniger (außer es ist meine beste Freundin). Eigentlich sogar mehr, weil sie die Größe besitzt, sich nicht an alberne Rituale zu halten, die man nicht ernst nehmen kann, weil sie ihre Bedeutung verloren haben. Früher waren Geburtstage viel mehr wert, weil man ein weiteres Jahr überlebt hatte. Zwar wusste keiner den Tag und bei den Jahren hat man sich zwischendurch vielleicht auch verzählt. Aber überlebt war überlebt! Jetzt werden viele von uns sehr alt. Es ist keine große Herausforderung mehr, ein Jahr länger auf Erden zu wandeln. Deswegen werden auch Geburtstage mit der Zeit bedeutungsloser. Als ich klein war, war mein Geburtstag eines der tollsten Ereignisse im Jahr. Schon seit vielen Jahren habe ich erkannt, dass es keine Leistung ist zu leben. Nicht hier. Außerdem meinen die meisten ihre Glückwünsche nicht ernst. Was soll ich damit? Das ist nur geheuchelte Freundlichkeit, die ihren Ursprung darin hat, dass Mami und Papi dir eingetrichtert haben, dass man einem Geburtstagskind gefälligst zu gratulieren hat.
Ich weigere mich, so oft ich kann, das zu tun. Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden. Wenn auf der Arbeit ein unliebsamer Kollege Geburtstag hat, verlangt es leider immer noch die Höflichkeit zu gratulieren. Im privaten Bereich will ich das nicht. Und mein Blog ist eindeutig privat!


Was will ich eigentlich sagen?

Das ist wirklich leicht: Gratuliere mir, wenn du willst. Lass es bleiben, wenn du es nicht willst. Woran du das erkennst? Schwer zu sagen. Aber du wirst es schon wissen, wenn ich eine Bereicherung in deinem Leben darstelle. Ich werde selbst entscheiden, ob ich auf kritische Glückwünsche reagieren will oder nicht.
Und wem das nicht gefällt: Starte eine Diskussion! Ich freue mich darüber. Solange du sachlich und respektvoll bleibst, sehe ich da kein Problem. Mein Wort ist nicht in Stein gemeißelt. Ich ändere meine Meinung auch, wenn mir jemand etwas überzeugend erklären kann.

Kommentare:

  1. Also, mir geht das eigentlich überhaupt nicht so, dass Leute, die sich sonst einen Dreck um mich scheren, am Geburtstag gratulieren. Bei mir kommt es eher vor, dass Leute, die ich für "Freunde" gehalten habe, mich eben einfach mal vergessen. Ich sage immer: Am Geburtstag siehst du, wer wirklich deine Freunde sind. Nämlich die, die an dich denken. Ich bin immer ein bisschen enttäuscht, wenn ich überlege, wieviele Leute ich in meiner Freundesliste bei Facebook habe und wieviele davon mir tatsächlich zum Geburtstag gratulieren, wo sie doch sogar von Facebook noch daran erinnert werden.

    Aber darüber lässt sich wohl streiten. :)

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    1. Hi Mimi <3
      Vielen Dank für deinen Kommentar und die Darstellung deiner Sicht. :)
      Da hast du wohl genau den umgekehrten Fall zu meinem erwischt! Das tut mir echt leid für dich, weil du so ein lieber Mensch bist. :(
      Zum Vergessen muss ich sagen, dass es mir auch schwer fällt, mir Geburtstage zu merken. Keine Ahnung, wo da das Problem liegt, aber es ist so. ^-^" Und wenn ich an dem betreffenden Tag mal eine Facebook-Pause mache oder so, verpasse ich den Geburtstag ganz schnell. Ist mir letztens erst mit einem Kumpel passiert. Ich wusste zwar, dass er kurz nach mir Geburtstag hat, aber den Tag habe ich selbstverständlich verpasst. :( [Wobei das während des NaNo nochmal besonders gemein ist! Da steht einem der Kopf eh ganz woanders als sonst. ;D]
      Andererseits kann ich aber auch gut verstehen, dass es dich stört. Meine "beste Freundin" hat mir erst gegen 23 Uhr gratuliert, hatte an meinem Geburtstag keine Zeit für mich und hat sich seither auch nicht bei mir gemeldet. Das ist fast eine Woche her! Naja, was soll's, da kann ich nichts machen. Enttäuscht war und bin ich trotzdem.
      Ob all die Leute, die "an mich denken", wirklich meine Freunde sind... Hm. Ich denke, dass die meisten niemals an mich gedacht hätten, wenn Facebook sie nicht daran erinnert hätte. ;) Freundschaft ist für mich etwas Weitreichenderes mit mehr Gefühl. Da zählt für mich am meisten das Gefühl, sich dem anderen nahe und verbunden zu fühlen, auch wenn man seit Wochen nicht geschrieben hat. Das geht! Ist aber verdammt selten. Dir fühle ich mich z. B. auch verbunden, obwohl wir uns noch nie begegnet sind. ;) Wobei ich noch nicht von Freundschaft sprechen würde, aber du bist mir zumindest nicht egal und ich mag dich. :D Das könnte von meiner Seite aus eine Freundschaft werden.
      Ich hoffe, ich verpasse deinen Geburtstag nicht! <3
      Liebe Grüße! :D

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