Mittwoch, 11. November 2015

Buchrezension: „Das Monster des Prinzen“ von Savannah Lichtenwald

Autor: Savannah Lichtenwald
Titel: Das Monster des Prinzen
Verlag: Bookrix 
Format: Ebook (auch als Print erhältlich!)
Seitenzahl: ca. 244 (laut Amazon)

Erscheinungstermin: 18.03.2014
Altersempfehlung: ab 18 Jahren 
Leseprobe: *klick* (Es gibt auch bei Bookrix eine Leseprobe, die man aber nur als angemeldeter Nutzer einsehen kann. Deswegen hier der Link zu Amazon!)


Mit einem Klick aufs Bild direkt zu Bookrix!

Klappentext:

"Ich bin nicht normal - jedenfalls nicht das, was andere unter `normal´ verstehen. Ich bin schwul. Das ist mir seit einem halben Jahr bewusst und seit ein paar Monaten weiß es leider auch David und damit der Rest der Schule. Darin sehe ich nur einen einzigen Vorteil. Früher hatte ich keine Ahnung, was dieses Monster dazu trieb, mich zu tyrannisieren. Rempeleien und Rippenstöße gab es von Anfang an, doch jetzt weiß ich wenigstens, warum er mich hasst." 
Philip und David - zwei Jugendliche, so verschieden wie Tag und Nacht ... wie Magneten, die sich abstoßen. 
Sechs Jahre vergehen, schmerzhafte Erfahrungen drängen sich den Männern auf und hinterlassen Spuren. Vergessen können sie einander jedoch nicht. Als sie sich wiedersehen, haben sich beide verändert. Philip führt ein Café und kämpft mit seinen Komplexen, während David einen ausgeprägten Selbsthass mit sich herumschleppt. Die Vergangenheit steht zwischen ihnen wie eine unsichtbare Mauer und in der konservativen Stadt, in der sie leben, gehören Mobbing und Verachtung immer noch zum Alltag. Doch vielleicht gibt es eine winzige Chance und das Undenkbare geschieht ... 
David und Philip - zwei Männer, die mehr gemeinsam haben, als sie vermuten ... wie Magneten, die einander anziehen.

Erster Satz: 

Noch fünf Minuten, bis es klingelt.


Meinung: 

Das Cover ist ganz zauberhaft! Eine Gasse bei Nacht, die von warmem Licht erleuchtet wird. Das Gesicht mit den unglaublich blauen Augen, von dem die Haut bröckelt. Das passt ganz wunderbar zusammen. Die Farbgestaltung gefällt mir sehr gut. Auch dass „Das Monster“ in einer leicht angeknacksten Schrift geschrieben ist, was stark im Kontrast zum eleganten Fortsatz des Titels „des Prinzen“ steht, hat das gewisse Etwas.

In dem Roman wechselt die Sicht zwischen Philip und Davids Ich-Perspektive. Das ist an sich keine schlechte Idee, da beide häufig unterschiedliche Dinge erleben. Manchmal macht es aber auch keinen Sinn: Da wird dann dieselbe Begebenheit aus beiden Sichtweisen erzählt. Das ist ein schönes Extra, das man am Ende als Bonuskapitel oder separat als kleinen Leckerbissen herausbringen kann, aber innerhalb einer Geschichte ist es doch eher störend. Das liegt daran, dass die Spannung bei der zweiten Erzählung fehlt; Man weiß ja schon, was passieren wird. Natürlich ist es irgendwie spannend, den Blickwinkel der anderen Person hautnah erleben zu können. Aber wenn man kurz davor bereits die Handlung erlebt hat und nichts Nennenswertes hinzukommt, ist es doch eher langweilig. Die einzige Möglichkeit, die mir einfiele, um das Ganze doch reizvoll gestalten zu können, wäre, die Sicht der zweiten Person so besonders zu gestalten, dass man als Leser völlig überwältigt ist. Sei es, dass der Charakter einen eigenwilligen Humor hat oder doch noch etwas erlebt, das dem anderen entgangen ist, oder die Erzählstimme generell einfach markant ist. Doch das war in diesem Roman für mich nicht der Fall.
Der Stil hat mir selbstverständlich trotzdem gefallen! Viele Sätze waren ganz wundervoll formuliert, ich habe mir echt viel in meinem Kindle angestrichen. Die Kritik bezieht sich allein darauf, dass sich Philip und David in ihrer Erzählweise nicht so extrem unterschieden haben.

Philip und David sind ganz besondere Figuren. Beide sind seelisch angeknackst und haben ganz unterschiedliche Eigenarten. Ich gebe zu, ich stehe auf abgefuckte Leute bis zu einem gewissen Maß. Die beiden passen voll in mein Schema. Wie sie leiden und sich wieder aufraffen, nicht aufgeben – und am Ende selbstverständlich dafür belohnt werden. So wünscht man sich das doch vom Leben! Auch wenn man auf die schweren Zeiten gut und gerne verzichten könnte. Da der Fokus aber so sehr auf die beiden Protagonisten gelegt ist, bleiben alle anderen Charaktere schattenhaft. Es gibt sie, sie tauchen auf und sind auch wichtig für die Handlung, aber sie bleiben doch sehr schwammig. Am besten gefallen hat mir Martijn. Der hat Durchblick, auch wenn er wie alle anderen Nebenfiguren nur einen sehr geringen Teil der Geschichte ausmacht.

Die Handlung kommt mir schlüssig vor. Einige Stellen fand ich etwas extrem, wodurch es für die Glaubwürdigkeit auch ein wenig bergab ging, aber insgesamt passt alles zusammen. Besonders die Seelenheilungsmomente fand ich sehr süß. Leider bin ich mir da bei einigen Dingen nicht sicher, ob man die wirklich so schnell und leicht verarbeiten kann. Eine Therapie hätten beide nötig, denke ich... Aber da kommt wohl der Roman-Bonus zum Tragen, was?
Von den Themen her ist diese Geschichte keine leichte. Misshandlung, Minderwertigkeitskomplexe, Gewalt, Fast-/Halbvergewaltigung, Homophobie... Zwar wird das alles nicht bis zuletzt ausgereizt (das hätte ich nicht ertragen), aber wenn man eher zartbesaitet ist, sollte man sich lieber eine andere Lektüre suchen. Ansonsten werden viele gesellschaftlich relevante Missstände aufgezeigt, einschließlich ihrer Auswirkungen auf die Betroffenen.

„In solchen Momenten droht die Reue mich zu verbrennen, frisst an mir herum und spuckt die ungenießbaren Stücke wieder aus.“ (Ebook, Davids Sicht, 55%, Position 1578)

Fazit: 

4,5*
Vor dieser Geschichte habe ich mich eine Weile gedrückt, weil mir die Thematik zu hart erschien. Ich lese solche Geschichten gerne, aber wenn ich nicht in der richtigen Stimmung dazu bin, quäle ich mich selbst nur unnötig. Letztendlich hatte ich aber gar nichts zu befürchten. Sie ist sehr gut, einfallsreich und emotional geschrieben und sehr lesenswert. Eine Mutmachgeschichte vielleicht sogar. Ich bin gespannt, was die Autorin noch so auf Lager hat!

Anmerkungen:

Bei Bookrix kann man ein aus der Mitte stammendes Kapitel des Buches lesen. Ich weiß leider nicht, ob sich dieses Kapitel von der offiziellen Leseprobe unterscheidet, da ich, wie oben bereits erwähnt, keinen Account bei Bookrix habe.

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