Mittwoch, 7. Oktober 2015

Buchrezension: "Serienunikat" von Chantal-Fleur Sandjon

Autor: Chantal-Fleur Sandjon
Titel: Serienunikat
Verlag: Script5
Format: Klappenbroschur (Auch als Ebook verfügbar!)
Seitenzahl: 320

Erscheinungstermin: 2014
Altersempfehlung: ab 16 Jahren 
Leseprobe: *klick*

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Klappentext:

Wir rasen unserem eigenen Atem hinterher dem Horizont entgegen und wünschen uns Flügel. Würden wir abheben, so wäre es nicht verwunderlich. Wir sind grün und digital, hoffnungsvoll und realistisch, Weltverbesserer und Weltenbummler, verliebt und verlebt, vernetzt und ungebunden, haben die Taschen voll unreifer Ideen und den Kopf voll einstürzender Erwartungen unserer Eltern. Wir sind 100.000 Unikate – in Serie. Und eines davon bin ich, Ann-Sophie … 
Sie hat die Nase voll. Von verstaubten Ansichten und den Erwartungen, dass ihre Zukunft eine ausgeblichene Version des Lebens ihrer Eltern sein soll – nur mit Facebook-Profil und Twitter-Updates auf den neuesten Stand gebracht. Hals über Kopf flüchtet die 20-jährige Ann-Sophie nach Berlin, 644 Kilometer weit von den Eltern entfernt und um 3,5 Millionen Einwohner größer als ihr Heimatkaff. Dort hofft sie herauszufinden, was sie vom Leben will. Doch wie macht man das in einer Welt der unendlichen Möglichkeiten?

Meinung:

Angezogen hat mich bei diesem Buch nicht das Cover, sondern der Titel und vor allem der wundervolle Klappentext! Er ist ein wenig nichtssagend, wenn man ihn auf die Story bezieht, aber im vorderen Umschlag wird die Handlung noch einmal etwas aussagekräftiger dargestellt. Und obwohl mich das rosa abstößt, ist die allgemeine Gestaltung des Umschlags auf jeden Fall einen Blick wert!

„Serienunikat“ handelt von Ann-Sophie, Anfang 20, frisch gebackene Studentin in Berlin. Sie ist unschuldig und schüchtern am Beginn der Geschichte, macht aber eine rasante Entwicklung durch. Das ist besonders für Leute in diesem Alter (MICH!) spannend mitzuerleben. Schließlich stellen wir uns alle dieselben Fragen: Was wollen wir vom Leben? Wie werden wir so, wie wir sein wollen? Wie finden wir überhaupt heraus, wer wir sein wollen? Dann kommen noch die ganzen typischen Zukunftsängste hinzu. Es gibt bestimmt Leute, die darunter nicht leiden, aber die meisten schüchternen bzw. zurückhaltenden Menschen haben sie. Zumindest habe ich das festgestellt, würde das jedoch nicht als wissenschaftlich belegt ansehen. (Außer es hat jemand einen Beleg? ;P )
Auf ihrem Weg begegnet Ann-Sophie vielen Menschen, die ihr den Weg ebnen oder ihn erschweren. Besonders die Leute aus ihrer Vergangenheit wollen ihre Entwicklung verhindern. Nicht weil sie sie nicht mögen, eher weil sie Angst haben, sie zu verlieren. Davor, dass sie sich ihre Zukunft verbauen könnte. Sie meinen es eigentlich nicht böse, merken aber nicht, dass sie Ann-Sophie schaden. Gleichzeitig findet Ann-Sophie wahre Freunde und eine neue „Familie“. Diese unterstützen sie sehr und stehen ihr immer bei.
Die Charaktere sind sehr individuell und realistisch gestaltet. Ich war begeistert von der Vielfalt und Außergewöhnlichkeit. Man spürt, wie viel Mühe da investiert wurde – und es zahlt sich aus!

Zur Geschichte an sich muss ich sagen, dass mir der Einstieg nicht leicht gefallen ist. Die ersten 60 Seiten fielen mir sehr schwer, da der Einstieg eher unvermittelt kommt. Ich war auch etwas enttäuscht darüber, dass der Anfang wenig mit der Story zu tun hatte, die ich anhand des Klappentextes erwartet hätte. Aber wenn man durchhält, kriegt man genau die Geschichte, die man gesucht hat!
Ein weiterer Kritikpunkt ist folgendes: Die Geschichte ist sehr zufallsbeladen. Früher oder später fügt sich alles, selbst wenn Ann-Sophie aktiv gar nicht daran mitwirkt. Häufig wird sie einfach mitgeschleift. Man kann schon sagen, dass sie verdammtes Glück hat. Uns anderen verirrten Lämmchen wird eine dermaßen große Veränderung ganz sicher nicht so leicht von der Hand gehen. Außerdem muss man erwähnen, dass Drogen eine wichtige Rolle spielen in dem Buch. Schon auf den ersten Seiten wird das Thema angesprochen. Das ist an sich nichts Schlechtes, Drogen gehören zum Leben junger Menschen häufig dazu. Ich habe selbst nie etwas konsumiert, höchstens passiv, aber ich erinnere mich gut daran, wie meine Klassenkameraden drauf waren. Von daher: Drogen ja, unreflektierter Umgang mit ihnen nein. Und das ist eine Sache, bei der ich nicht sicher bin, ob sie in der Geschichte deutlich wurde. Es werden häufig Drogen genommen und es wird auch gezeigt, wie übel das enden kann. Aber gleichzeitig wird das so selbstverständlich dargestellt, dass es mir unheimlich ist. Als würde jeder junge Mensch Drogen nehmen und erst merken, welche Folgen das hat, wenn er abgestürzt ist. So ist es nicht. Die Brisanz dieses Themas wurde mir nicht deutlich, wäre aber ein wichtiger Aspekt bei einem Roman für junge Erwachsene, die ihren Lebensweg und ihr Ich finden wollen, gewesen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut. Erfrischend, jung, sehr gut zu lesen. Besonders die Charakterbeschreibungen sind wundervoll! Keine stumpfe Beschreibung des Äußeren, wie man es so häufig liest, sondern gezielte Informationen, geschickt platziert und innovativ dargestellt. Wirklich, wirklich gut! In der Hinsicht kann man als angehender Autor noch einiges lernen.

Fazit:

3,5*

Obwohl ich einiges zu kritisieren hatte und es auch noch wichtige Punkte waren, hat mir der Roman sehr gefallen. Das Thema Selbstfindung/Selbstverwirklichung spricht mich an, besonders wenn es aus der Sicht eines jungen Menschen behandelt wird. Ich denke, ich habe einiges lernen können. Auch die Liste, welche Ann-Sophie als Wegweiser dient, werde ich mir bei Gelegenheit näher anschauen und meine eigenen Konsequenzen ziehen. Eine Leseempfehlung für alle verirrten Lämmchen dort draußen, die wissen, dass man Drogen nicht wie Süßigkeiten konsumieren sollte! ;)

Hast du dieses Buch gelesen? Was hat dir gefallen, was nicht? Bist du meiner Meinung oder habe ich zu hart geurteilt? 

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